Freitag, 13. Januar 2017

Deutschlands größter Ostseehafen

Hafenstadt Rostock mit starkem Umschlagergebnis 2016

In der Hafenstadt Rostock wurden im vergangenen Jahr 28,6 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Das waren 1,4 Million Tonnen bzw. fünf Prozent mehr als im Jahr 2015. Allein im Überseehafen Rostock gingen 26,8 Millionen Tonnen Fracht über die Kaikanten. Weitere 1,8 Millionen Tonnen wurden laut Hafen- und Seemannsamt Rostock im Fracht- und Fischereihafen, Chemiehafen und anderen Hafenanlagen der Hansestadt bewegt.

 

„Für diese beeindruckende Entwicklung in einem dynamischen Marktumfeld wird eine dauerhaft leistungsfähige Hafeninfrastruktur benötigt, die allen Kundenanforderungen gerecht wird. Daher geht mein ausdrücklicher Dank an alle Gesellschafter, Geschäftspartner und Mitarbeiter, die zu dieser erfolgreichen Entwicklung beigetragen haben. Neben detaillierten Analysen von Güter- und Verkehrsströmen sind es vor allem auch die zahlreichen Kontakte zu langjährigen Geschäftspartnern, die einen konstruktiven Austausch zum Ausbau der Geschäftsfelder ermöglicht haben. Diesen Dialog möchten wir auch künftig fortsetzen, um weitere Maßnahmen zu initiieren, die die Wettbewerbsfähigkeit des Hafenstandortes Rostock erhalten und wo immer möglich nachhaltig ausbauen. Um die Akzeptanz des Hafens auch über seine Grenzen hinaus, vor allem bei den Bewohnern der Hansestadt und der Nachbargemeinden zu erhöhen, verfolgen wir fokussierte Initiativen zur Flächenrenaturierung sowie im Kultursponsoring. Die Umschlagergebnisse 2016 verdeutlichen die Wertigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Rostocker Hafens für die Hansestadt, Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland in einem schwierigen Marktumfeld“, sagt Jens A. Scharner, Geschäftsführer der ROSTOCK PORT GmbH.

 

Überseehafen Rostock: Wachstum setzt sich fort

 

Mit 26,8 Millionen Brutto-Tonnen umgeschlagener Güter im Jahr 2016 erzielten die Unternehmen des Rostocker Überseehafens das zweitbeste Umschlagergebnis in der fast 60jährigen Geschichte und verzeichneten ein Plus von imposanten sieben Prozent im Vergleich zu 2015.

„Durch die hohen Wachstumsraten im Überseehafen konnte Rostock seine Position als größter deutscher Ostseehafen nicht nur in beeindruckender Weise verteidigen, sondern sogar ausbauen“, sagt Dr. Gernot Tesch, Geschäftsführer der ROSTOCK PORT GmbH. Nur im Jahr 2008 wurden mit 27,2 Millionen Tonnen noch mehr Güter umgeschlagen. „Vor allem in den tonnenintensiven Hauptgutarten Flüssiggut, Schüttgut sowie Fähr- und RoRo-Güter wurden bemerkenswerte Zuwächse erzielt“, so Dr. Gernot Tesch.

 

Insgesamt verzeichnete der Überseehafen Rostock 8.120 Anläufe von Fähr- und RoRo-, Tank-, Fracht- und Kreuzfahrtschiffen im vergangenen Jahr, davon allein 6.175 Anläufe von Fähr- und RoRo-Schiffen.

 

Die Anzahl der beförderten Fährpassagiere auf den Linien nach Dänemark, Schweden und Finnland erhöhte sich um 100.000 auf 2,3 Millionen Reisende.

 

Der Schüttgutumschlag lag im vergangenen Jahr mit insgesamt 7,4 Millionen Tonnen und damit mit einem Plus von sechs Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Positiv entwickelten sich fast alle Schüttgutarten, vor allem Ölsaaten, Düngemittel und Kohle.

 

Der Getreideumschlag, der trotz schlechter Ernteergebnisse im letzten Jahr leicht zulegen konnte, bleibt mit etwa 3,5 Millionen Tonnen jedoch die Hauptschüttgutart im Überseehafen. „Um die angestrebte Entwicklung Rostocks zu einem Getreidehub zu unterstützen sowie perspektivisch die Chancen der Seekanalvertiefung gerade für den Getreideexport zu nutzen, wird durch Euroports bis 2018 ein weiterer leistungsfähiger Getreidebelader im Überseehafen errichtet. Darüber hinaus bauen auch unsere Getreidekunden ihre Lagerkapazitäten aus“, erläutert Dr. Gernot Tesch.

 

Der Umschlag von Flüssiggütern verzeichnete mit 2,7 Millionen Tonnen einen Zuwachs von 300.000 Tonnen bzw. zwölf Prozent im Vergleich zu 2015. Im vergangenen Jahr wurde mehr Benzin, Ethanol, Naphtha, Gas- und Heizöl über die Rostocker Kaikanten gepumpt.

 

Der ausgewiesene Rückgang beim Umschlag von Stückgütern ist ausschließlich einer veränderten Zuordnung des Umschlagguts Papier (nunmehr bei Fähr- und RoRo-Gütern) geschuldet. Ohne Berücksichtigung des Papierumschlags nahm der Stückgutumschlag sogar leicht zu. So war vor allem ein steigender Umschlag von Blechen und Brammen zu verzeichnen.

 

Rollender Güterverkehr als Wachstumstreiber

 

Bei der rollenden Ladung, den Fähr- und RoRo-Gütern, zog der Umschlag erneut stark an. Insgesamt stieg die Menge um 1,3 Millionen Tonnen auf 16 Millionen Tonnen (+9 Prozent zum Vorjahr). Der Anteil rollender Fracht am Gesamtumschlag des Seehafens Rostock betrug damit im vergangenen Jahr 60 Prozent.

 

Die Zahl der auf den Fähr- und RoRo-Verbindungen von und nach Nordeuropa beförderten LKW-Einheiten stieg an: von 326.051 im Jahr 2015 auf 354.175 im vergangenen Jahr. Ebenso die Anzahl umgeschlagener Trailer: von 116.649 im Jahr 2015 auf 122.352 im letzten Jahr. Die beförderten Eisenbahnwaggons von und nach Trelleborg nahmen etwas ab: von 21.672 auf 20.358.

 

Auf dem Terminal für den Kombinierten Ladungsverkehr (KV) konnten 2016 erstmals etwas mehr als zwei Millionen Tonnen Güter bewegt werden. Die Anzahl der umgeschlagenen Trailer-Einheiten stieg von 69.824 im Jahr 2015 auf 76.012 im vergangenen Jahr – und damit um neun Prozent. Das KV-Netz wurde kontinuierlich verdichtet und ausgebaut. Derzeit verkehren wöchentlich 36 Kombiverkehrszüge von und nach Verona (13), Hamburg (5), Karlsruhe (5), Brno (4), Novara (3), Duisburg (5) und Wels (1).

 

„Wieder einmal erwies sich der Fähr- und RoRo-Verkehr als Wachstumstreiber im Rostocker Hafengeschäft. Das Hauptaugenmerk muss in den nächsten Jahren auf dem Ausbau der Infrastruktur liegen, um die Voraussetzungen für weiteres, von uns erwartetes Wachstum zu schaffen. Dazu wird neben interner Optimierung der Sprung über die jetzigen Hafengrenzen hinaus notwendig“, sagt Dr. Gernot Tesch.

 

Im vergangenen Jahr gingen 823.000 Tonnen Papier im Überseehafen über die Kaikanten der Liegeplätze 60, 62, 63 und 31. Das waren 207.000 Tonnen mehr als im Vorjahr. Insbesondere durch die Konzentration des UPM-Papiergeschäfts in der südlichen Ostsee auf den Hafen Rostock seit Anfang 2015 sowie die Qualität aller im Umschlagbereich tätigen Akteure kam es zu einem Sprung in der Mengenentwicklung. Der Löwenanteil am Papierumschlag wird durch UPM erbracht.

 

Die Reederei Swedish Orient Line (SOL), die seit September 2012 einen RoRo-Dienst zwischen Rostock und dem finnischen Hanko mit jeweils vier bis fünf Abfahrten pro Woche betrieb, stellte ihren Verkehr zum Jahresende 2016 ein. „Der Korridor Rostock-Finnland ist in den letzten Jahren entgegen dem Markttrend sehr stark gewachsen. Dazu haben beide in Rostock operierenden Finnland-Carrier beigetragen. Umso mehr bedauern wir den Rückzug von SOL. Nichtsdestotrotz sind wir überzeugt, dass der Gütertransport in diesem Korridor auf Grund der verkehrsgeographischen Vorteile und infrastrukturellen Anbindung Rostocks weiter wachsen wird. Beleg dafür sind die angekündigten Kapazitäts- und Frequenzerhöhungen der Reederei Finnlines“, so Dr. Gernot Tesch.

 

Erfolgreiche Kooperation mit dem Flughafen Rostock-Laage

 

Der Kreuzfahrthafen Rostock-Warnemünde blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. 181 Anläufe von 31 Kreuzfahrtschiffen mit 766.000 Seereisenden standen 2016 zu Buche. In Kooperation mit unseren Partnern und dem Flughafen Rostock-Laage konnte der Passagierwechsel von internationalen Gästen über unseren Hafen ausgebaut werden. Rund 71.000 Kreuzfahrtgäste insbesondere aus Spanien, Italien und Frankreich reisten im letzten Jahr über den Flughafen Rostock-Laage an und wieder ab. „Wir rechnen in dieser Saison mit einem weiteren Wachstum in diesem Segment, denn hier passt alles zusammen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit unseren Kunden, den Kreuzfahrtreedereien, und dem Flughafen Rostock-Laage zum Vorteil unserer spanischen, italienischen und französischen Kreuzfahrtgäste setzen wir fort“, sagt Jens A. Scharner.

 

Die Kreuzfahrtsaison 2017 beginnt im Warnemünder Kreuzfahrthafen am 27. April mit dem Anlauf des Kreuzfahrtschiffes „AIDAdiva“. Insgesamt werden in diesem Jahr 192 Anläufe von 38 Kreuzfahrtschiffen erwartet: 178 Mal legen die Schiffe in Warnemünde und 16 Mal im Überseehafen an. Fünf Schiffe steuern erstmals die Warnowmündung an: „Columbus“, „MSC Magnifica“, „Norwegian Getaway“, „Seven Seas Explorer“ und „Viking Sky“.

 

Die Rostocker Reederei AIDA Cruises wird mit „AIDAdiva“ und „AIDAmar“ erneut zwei Schiffe in ihren Ostseebasishafen Warnemünde schicken. 40 von 50 Passagierwechselanläufen für 2017 wurden von AIDA Cruises angemeldet. Zudem sind 61 Teilreisewechsel von Costa, MSC, NCL und anderen Reedereien geplant, bei den insbesondere deutsche Passagiere in Warnemünde an bzw. von Bord gehen. Im Kreuzfahrtkalender 2017 stehen drei Vierfach- sowie 14 Dreifachanläufe. Mehr als 100 Anläufe finden an den Wochentagen Freitag (39), Sonnabend (43) und Sonntag (36) statt. Insgesamt laufen an 113 Tagen des Jahres 2017 Kreuzfahrtschiffe den Hafen an der Warnow an. Am 12. Oktober endet die Saison mit dem Anlauf des Kreuzfahrtschiffs „Balmoral“ der englischen Reederei Fred Olsen Cruise Line.

 

Mit mehr als 800.000 Kreuzfahrtgästen, die an und von Bord der Kreuzfahrtschiffe gehen, werden etwas mehr Passagiere erwartet als in diesem Jahr. Unter den am häufigsten angelaufenen Ostseekreuzfahrthäfen rangiert Warnemünde auf Platz sechs nach Kopenhagen, St. Petersburg, Tallinn, Stockholm und Helsinki.

 

Zukunftsgerichtetes Hafenmanagement und Investitionen 2017

 

„Die Aufnahme der Seekanalvertiefung Rostock in den Bundesverkehrswegeplan ist ein Erfolg und wichtiger Meilenstein der weiteren Entwicklung des Überseehafens. Ich danke für die Unterstützung durch Stadt und Land sowie durch die zahlreichen Unternehmen während der Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Erstellung des Bundesverkehrswegeplans. Gemeinsames Ziel der maritimen Akteure in Zusammenarbeit mit dem Land und dem Bund ist die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens und eine zügige Umsetzung“, erläutert Jens A. Scharner.

 

Im Jahr 2016 investierte die ROSTOCK PORT GmbH rund 14 Millionen Euro in die Infrastruktur und die Verbesserung der Abläufe im Hafen. Im Rahmen der Verkehrsertüchtigung wurde der Neubau einer zwei Hektar großen Vorstellfläche auf Pier II abgeschlossen und dem öffentlichen Verkehr zur Verfügung gestellt. Drei weitere Teilvorhaben wurden zur Ausführung in diesem Jahr weiter vorbereitet: der Bau der neuen Teilanschlussstelle von der Autobahn in den östlichen Seehafen, der Abriss des alten Stellwerkes in diesem Bereich sowie der Neubau einer zweispurigen Verkehrsbrücke in das Hafengebiet östlich des Ölhafens.

 

Um die gewachsenen Verkehre und Umschlagaktivitäten im RoRo-Bereich zu unterstützen, wurde mit dem Rückbau eines Bürogebäudes im südlichen Hafengebiet begonnen. Nach dem Rückbau wird die entstehende Fläche für Trailer-Stellplätze befestigt. Südlich der Kaihalle 7 wurden brachliegende Flächen geebnet und für die Flächenbefestigung vorbereitet.

ROSTOCK PORT hat die Gesamtkosten für den Neubau des Liegeplatzes P7 in Warnemünde von knapp acht Millionen getragen und an die Hansestadt Rostock, Verpächterin des Kreuzfahrthafens, überwiesen.

 

Zum Jahresende 2016 konnte der Doppeldeckanleger am Liegeplatz 54 nach Fertigstellung im Jahr 2012 und einer Verspätung der beiden Fährschiffe von rund vier Jahren seine Leistungsbereitschaft unter Beweis stellen. Ergänzende Verkehrsleiteinrichtungen wurden an der Nordspitze von Pier I installiert.

 

Zwei weitere Schwerpunkte beschäftigen sich mit Nachhaltigkeitsprojekten des Hafenbetreibers: Als gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahme für Hafeninfrastrukturprojekte investiert ROSTOCK PORT in die Schaffung eines parkähnlichen Areals auf rund 20 Hektar östlich der Werftallee in Groß Klein. Mit ersten Maßnahmen wurde bereits 2016 begonnen. Dieses Grundstück befindet sich im Eigentum von ROSTOCK PORT und wird als naturnaher Erlebnisraum bis Ende 2017 aufgewertet werden.

 

Des Weiteren hat ROSTOCK PORT mit der Renaturierung des „Diedrichshäger Moores“ bei Warnemünde begonnen. Diese Maßnahme wurde 2009 genehmigt und planfestgestellt. Sie wird für zukünftige Ausbaumaßnahmen im existierenden Sondergebiet Hafen als naturschutzfachliches Kompensationspotential über ein Ökokonto dem Hafen zur Verfügung stehen.

Es ist geplant, die Renaturierung, insbesondere die noch anstehenden umfangreichen Erdbewegungen zur Beseitigung degenerierter Moorböden, weitgehend umweltverträglich bis Mai 2017 vorzeitig abzuschließen. Danach geht das Projekt in die Überwachungs- und Pflegephase.

 

„Besonderes Augenmerk unserer Bemühungen und Investitionen im Jahr 2017 liegt auf der Modernisierung und dem Ausbau von Liegeplätzen für einen leistungsfähigen Universalhafen“, so Jens A. Scharner.

 

Erstmalig und entsprechend den neuen Bestimmungen der Europäischen Union (EU) wurde ein Einzelnotifizierungsverfahren für ein Hafenbauprojekt im Überseehafen eingeleitet und erfolgreich abgeschlossen: der Neubau von Liegeplatz 23 mit einer Investitionssumme von etwa 20 Millionen Euro. Die Maßnahme soll die künftige Entwicklung des Schüttgutumschlags unterstützen.

Nach Reparatur der Liegeplätze 21 und 22 bis Sommer 2017 soll am Liegeplatz 23 nach EU-weiter Ausschreibung mit dem Bau begonnen werden.

Für Investitionen in Flächen und Gebäude plant ROSTOCK PORT in diesem Jahr etwa 7,7 Millionen Euro, für die Erneuerung von Kaianlagen etwa 22 Millionen Euro.

 

Im Ölhafen wird ROSTOCK PORT rund vier Millionen Euro investieren, um den östlichen Querkai und die Steganlage an den Liegeplätzen 3 und 4 zu erneuern. Nach öffentlichen Ausschreibungen wurden bereits Bauaufträge ausgelöst.

 

Statistik Seehafen Rostock

 

 

 

 

2015 (t)

2016 (t)

Entwicklung

Anteil

Flüssiggüter

2.400.000

2.700.000

 13 %

10 %

Schüttgüter

7.000.000

7.400.000

 6 %

28 %

Stückgüter*

960.000

750.000

- 22 %

2 %

Fähr- & RoRo-Güter

14.700.000

16.000.000

9 %

60 %

 

 

 

 

 

Total

25.060.000

26.850.000

 7 %

100 %

    

*Einige Papiermengen wurden 2016 (rund 250.000 Tonnen) nicht mehr unter der Hauptgutart „Stückgüter“ erfasst, sondern unter „Fähr- und RoRo-Güter“. Die Umschlagentwicklung bei Stückgütern im Jahr 2016 ist daher konstant und die aufgeführte Abweichung Folge einer statistischen Korrektur.